Auch wenn wir in Sachen Schnee wieder einbüßen und ich Thanksgiving im Trockenen verbrachte, kommen wir in Sachen Culture shock doch schon voran: Europa-Kalt ist noch lange nicht Amerika-Kalt.
Ich gebe es zu, vielleicht bin ich wirklich die größte Frostbeule auf dem Kontinent – aber warum gibt es so viele Leute, die selbst unter dem Gefrierpunkt noch mit Shorts und Flip-Flops umher spazieren? Mir wurde schon ein paar Wochen nach meiner Ankuft von einer befreundeten Familie erzählt, dass ihr Kinder im letzten Jahr schon im Februar wieder mit kurzen Hosen unterwegs waren – sobald erstmal 30° Fahrenheit erreicht sind. Während in unseren Gefilden, aber vor allem meinem Kopf, Personen bei dieser Kälte (ca. 0° C) schon in dicken Jacken, Schals, Handschuhen und Mützen eingewickelt sind, heißt es hier Hitzealarm. Ich musste schlucken, als ich die Fotos von jemandem aus meinem SPA Kurs auf Facebook gefunden habe – 31. Dezember 2010: Bikini, Boots. Zum Erhalt der Freundschaft hab ich das Foto lieber mal zensiert.
Das Ganze wäre sicherlich nicht so erschreckend, wenn solche Bilder nicht „normal“ wären. Wenn ich mich morgens aus dem Bus in die Kält quäle, warm eingepackt in Wintermantel, Handschuhen und einem Schal, sehe ich doch mindestens 5 Leute mit kurzen Hosen. Und das während einem Fußmarsch von 2 Minuten.
Auch wenn es mich ein wenig überrascht, ich habe mich eigentlich ziemlich schnell an die Kälte gewöhnt. Wenn man erstmal die ersten Wochen um den Gefrierpunkt ohne Jacke (was hier nämlich auch absolut selbstverständlich ist) überstanden hat, kann einem auch der Wind nichts mehr anhaben. Gestern morgen waren es –7° C und ich habe kaum gefroren – das nennt man dann wohl „akklimatisieren“ (das Wort gibt’s wirklich, ich weiß..).
Letzter Donnerstag, der 24. November, läutete nicht nur für viele Fernsehsender „den Countdown bis Weihnachten“ ein, sondern bedeutete vor allem eines: Thanksgiving (und wohl oder übel dann auch Black Friday). Thanksgiving hat in Amerika einen Stellenwert wie Weihnachten bei uns, es gibt schulfrei, Leute stehen an diesem Tag bis zu vier Stunden in der Küche und am Ende des Tages wird dann im feierlichen Kreise der Truthahn gereicht. Kurzum, an Thanksgiving geht es hauptsächlich um’s Essen. Gefolgt wird dieser rigoros zelebrierte Feiertag dann noch mit Black Friday, ein Phänomen in den USA, an dem die meisten Läden von 0–24 Uhr geöffnet haben, Schnäppchenjäger sich durch enorme Menschenmassen quengeln um die höchsten Rabatte abzustauben.
Wie ich schon vor ein paar Wochen erwähnt hatte, ziehen wir um. Und das passiert diese Woche, von Mittwoch bis Freitag! Zugegeben, Begeisterung sieht anders aus – natürlich steht bei mir in diesem Zeitraum auch noch ein Psychology Test an. Apropos Schule, demnächst werden Report Cards ausgeteilt, abhängig von deinem GPA (Notendurchschnitt in jedem Quarter) kann man sich entweder eine Gold-, Silver-, oder Bronze-Karte verdienen. Je nachdem gibt’s beim Vorzeigen im Laden Rabatte, so etwas sollte man unbedingt in Deutschland auch einführen. Mein GPA stand im letzten Quarter auf 4.0 (das Höchste, was man erreichen kann – Applaus bitte in der Kommentarbox hinterlassen), momentan steht diese Glanzleistung aber auf der Kippe. Ich hatte die intelligente Idee von meinem „Idioten-Mathekurs“ in den schwersten Mathekurs zu wechseln, ich kämpfe mich aber wieder nach oben.
Das einzige, was jetzt nur noch zur perfekten Weihnachtsstimmung fehlt ist Schnee. Normalerweise herrscht um diese Zeit schon Schneechaos, danke auch Klimawandel. Sobald wir dann im neuen Haus sind, kommt auch endlich der Weihnachtsbaum und dann fangen auch wir an zu dekorieren. Das gehört nämlich mit zur American culture, jedes Haus, jeder Baum erstrahlt jeden Abend. Das i-Tüpfelchen auf der Sahnehaube wäre dann nur noch ein aufblasbarer, beleuchteter, Mann-hoher „JOY“ Schriftzug, so wie ein paar Blocks weiter. Manchmal ist weniger einfach mehr.




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