Herzlichen Glückwunsch, Lisa Neumann –Redakteurin der Myxpress

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Unsere ehemalige Schülerin und Redakteurin der Schülerzeitung Myxpress  Lisa Neumann hat mit ihrem Kurzkrimi „ROT“ den 2. Kölner Junge Autoren Award 2015 gewonnen.

 

E‐mail von Lisa an Frau Komnick:

Hallo Frau Komnick,
ich möchte mich recht herzlich bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie mich auf den Kölner Junge Autoren Award aufmerksam gemacht haben.
Meine Kurzgeschichte hat durch die Unterstützung der Schülerzeitung, von Freunden und Bekannten einen der ersten drei Plätze erreicht, worüber ich mich riesig freue!
Vielen Dank für all das Interesse an meinem Schreiben und die tatkräftige Unterstützung, denn ohne Ihren Hinweis hätte ich sicherlich nicht an diesem Wettbewerb teilgenommen.
Die Preisverleihung findet im Zusammenhang mit der Crime Cologne nächste Woche Donnerstag in Köln statt.
Ein herzliches Dankeschön und viele Grüße,
Lisa Neumann.

Auszug aus der Laudatio von Jürgen Orthaus anlässlich des Junge Autoren Award 2015:

„Für den Junge Autoren Award 2015 sollten die Bewerber einen kompletten Krimi auf nur 8–12 Seiten verfassen. Normale Krimis haben über 200 Seiten, mindestens. (…) Auf diesen wenigen Seiten sollten die jungen Autoren eine spannende, glaubhafte Geschichte schreiben. Mit überraschenden Wendepunkten. Mit einem dramaturgischen Sog, so dass man das Lesen gar nicht aufhören möchte. Mit Figuren, die uns gefühlsmäßig berühren, positiv oder negativ. Mit Szenen, die Bilder in unseren Köpfen erzeugen. Und nicht zuletzt mit einer stimmigen Sprache. Das alles auf 8 — 12 Seiten — wirklich keine leichte Aufgabe. (…)

Kommen wir zum 1. Preis: Der Titel des Kurzkrimis ist kurz. Er besteht aus nur drei Buchstaben: ROT. Von Lisa Neumann.

So kurz wie der Titel ist, so dicht erzählt ist die Geschichte. Ein Beziehungsdrama. Zwei Personen sind im Spiel: eine Frau. Sie liegt erstochen in ihrer Badewanne. Alles ist voller Blut. ROT

 

Ein Mann, sehr verunsichert, in psychotherapeutischer Behandlung. Er steht in der Badewanne und kann sich an nichts mehr erinnern. Er streicht mit der Hand durch die Stichwunde an ihrer Halsschlagader und schminkt ihre Lippen mit ihrem Blut. ROT.

Rückblende: Die Frau steht im vierten Stock am Fenster. Soll sie springen? Sie hat ihm gesagt, dass sie sich trennt. Er hat sie angefleht zu bleiben. Doch sie will sich nicht länger von ihm schlagen lassen. Das sagt sie. Und er glaubt ihr, dass er sie geschlagen hat.

Das Ganze ist ein Machtspiel. Zwischen Liebe und Hass. Sie hasst ihn, weil er ihr alles glaubt, was sie sagt, weil sie ihn so leicht manipulieren kann. Doch sie springt nicht aus dem Fenster. Sie geht ins Badezimmer und weiß, wie sie das Spiel gewinnt.

Schnitt: Er weiß nicht, ob er wacht oder träumt. In seiner Vorstellung sticht er auf sie ein. Immer schneller, in immer kürzeren Abständen. Und mit diesen Sätzen endet das Drama:

Sie holte das Messer aus der Küchenschublade hervor. So oft hatte sie es betrachtet, sein Gewicht in ihrer Hand sorgfältig abgewogen. Nun war sie entschlossen. In zwei Stunden käme er wieder. Zurück von der Therapie. In zwei Stunden fände er sie.

Ein genialer Schluss. Der finale Wendepunkt im letzten Satz. Hier wird klar: sie hängt ihren Selbstmord ihm als Mord an. Dazu kann ich nur gratulieren. Lisa Neumann verdichtet auf wenigen Seiten 3 Ebenen: Hass und Liebe, Wahn und Wirklichkeit, Spannung und Überraschung. Das Opfer ist der Täter! Einfach Klasse.

Das alles erzählt in einer bildhaften Sprache. Mit kurzen Sätzen, die förmlich zum Weiterlesen treiben. Was ich mag: das Ganze ist überschaubar, nicht überladen. Bei manchen Krimis verliert man vor lauter Figuren, die alle irgendwie wichtig zu sein scheinen, schnell den Überblick. Hier nicht. Hier ist alles auf das Wesentliche konzentriert: Zwei Personen, zwei Sichtweisen. Realität ist subjektiv.

Die Jury schreibt als Fazit: Ein atmosphärisch sehr dichter, sprachlich gelungener Kurzkrimi, der den Leser eine beklemmende Stimmung spüren lässt. Das kann ich nur bestätigen.

Was mir auch gefallen‐hat: endlich mal kein gestresster, frustrierter Kommissar mit seinen
Beziehungskrisen. Der, wie in jeder Folge, die Bösen zur Strecke bringt. Klar: Diese Krimis tun gut. Sie befriedigen unsere Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Und als Serie wirken sie als Ordnungsfaktor in unserer sich so schnell verändernden Welt. Das guckt und liest man gern. Aber wie oft muss das sein?

Hier öffnet Lisa Neumann mit ihrem Krimi „ROT“ eine Tür zu dem, wie das Leben wirklich ist. Jeder sieht das Gleiche. Aber jeder aus einem anderen Blickwinkel. Diese Verschiedenheit darzustellen, was sich daraus entwickeln kann, ist immer spannend. Und hat mehr mit unserer Wirklichkeit zu tun, als alle Kommissar‐Geschichten.

Lisa Neumann fragt in ihrem Text, ist das Geschehen wirklich so, wie wir es wahrnehmen? Das ist grundsätzlich eine gute Frage, die sich schon andere Autoren gestellt haben. Wie Jim Thompson, der mit seinen Noir‐Romanen berühmt wurde. Er sagte: Es gibt 32 Arten, eine Story zu schreiben, und ich habe jede davon schon verwendet, aber es gibt nur einen Plot - die Dinge sind nicht so, wie sie erscheinen.

Das hat zwar Altmeister Hitchcock so nicht gesagt, aber oft so gemacht. Und jetzt auch in ihrem kurzen Krimi Lisa Neumann — herzlichen Glückwunsch!

 

Ich kann nur sagen: Bleiben Sie dabei. Schreiben Sie weiter. So wie Sie es für richtig halten und empfinden. Und ich wünsche Ihnen dazu die kraftvolle Dynamik und inspirierte Intensität, die sie in ihrem kurzen Krimi „ROT“ so glänzend zum Ausdruck gebracht haben.

Ich freue mich auf das, was ich von Ihnen noch zu Lesen bekomme. Usa Neumann, ‚vielen Dank für Ihren gelungenen Text. ROT!“

 

 

Den gesamten Kurzkrimi ROT könnt Ihr hier nachlesen.