Viele Christen, darunter auch viele Jugendliche, haben zunehmend Schwierigkeiten damit, sich mit ihrer Kirche zu identifizieren. Das hängt in den meisten Fällen gar nicht damit zusammen, dass die Menschen heutzutage weniger gläubig sind als früher, sondern dass viele Ansichten der Kirche ihrer Meinung nach veraltet sind und nicht mehr der heutigen Zeit entsprechen. Vor allem die katholische Kirche ist von der Kirchenkritik betroffen.

Ein Punkt, der häufig kritisiert wird, ist, dass sich die Kirche zu sehr in das Privatleben der Menschen einmischt und sich viele davon eingeschränkt fühlen. In den meisten Anglegenheiten ist die Kirche zu konservativ und zu verschlossen gegenüber „modernen“ Lebensstilen. Gerade in der katholischen Kirche haben Ehe und Familie einen sehr hohen Stellenwert, weshalb sie zum Beispiel Abtreibung und Homosexualität ablehnt. Zudem wirkt die Kirche auch durch ihre Sprache veraltet. Die Botschaften der Predigten der Gottesdienste kommen gerade bei jungen Menschen nicht immer an, genauso verhält es sich mit vielen Bibelstellen, alten Kirchenliedern und Gebeten. Dabei ist es eigentlich die Aufgabe der Kirche, den Menschen in ihrer Gemeinde einen Zugang zu den alten Glaubenstexten zu verschaffen, was aber nicht jedes Mal gelingt.

Aber auch die Kirche hat mit vielen Problemen in der heutigen Gesellschaft zu kämpfen. Dazu gehört beispielsweise die mittlerweile weitverbreitete Konsummentalität, die den Grundsätzen des Christentums widerspricht. Denn viele sind zu stark auf materiellen Besitz Konsum ausgerichtet, dass sie die Werte, die durch das Christentum vermittelt werden, nicht mit ihrer allgemeinen Einstellung zum menschlichen Dasein vereinbaren lässt. Auch das posivistische Denken stellt eine Gefahr für die Kirche dar. Denn der Positivismus ist dadurch gekennzeichnet, dass der Mensch nur das für wahr hält, was messbar oder beweisbar ist. In so einer Sicht auf der Welt hat der Glaube an einen Gott keinen Platz mehr. Hinzu kommt, dass die Religion im Gegensatz zu früher nicht mehr so eine große Rolle in der Erziehung spielt. Viele Eltern wissen entweder nicht, wie sie ihren Kindern die Glaubensinhalte am besten vermitteln oder wollen es ihnen selbst überlassen, sich eigentständig mit dem Glauben auseinandersetzen.

Obwohl meine Religion mir persönlich sehr wichtig ist, kenne ich das Gefühl, dass sich meine Vorstellung vom Leben mit den Ansichten der Kirche nicht vereinbaren lässt. In vielen Punkten sehe ich die Kirchenkritik daher als berechtigt an, allerdings finde ich genauso, dass viele Menschen der Kirche unrecht tun und sie verurteilen, ohne sich hinreichend mit ihren Lehren auseinanderzusetzen. Es wird sicherlich eine Herausforderung auf beiden Seiten werden, dass sich die junge Generation und die christliche Kirche wieder mehr annähren. Meiner Meinung nach ist und bleibt aber das wichtigste, dass jeder Mensch seinen Glauben an Gott so ausleben kann, wie er es möchte, und sich weder von anderen noch von der Kirche davon abbringen lässt.

Beitragsbild: „Gunwalloe church“ von Tim Green lizensiert unter (CC BY 2.0)