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    Geposted am 5. Mai 2010.

    Geschrieben von Yannick Neuhaus.

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    Guttenberg erklärt dem deutschen Volk den Krieg

    Nach­dem nun erneut deut­sche Sol­da­ten auf dem „Kriegs­schau­platz“ am Hin­du­kush ihr Leben las­sen muss­ten, kehrt das ohne­hin all­zeit lei­dige Thema „Afgha­nis­tan“ zurück in den Focus der deut­schen Medien.

    Und es sind wie­der die glei­chen Fra­gen, die gestellt werden:

    Warum befin­den sich dort deut­sche Sol­da­ten? Herrscht Krieg? Wer ist unser Geg­ner? Gibt es eine Abzugs­per­spek­tive? Die Fülle der Fra­gen erschwert den Umgang mit die­sem strit­ti­gen Aus­land­ein­satz immens und wer kurze Ant­wor­ten auf der­art kom­pli­zierte Fra­ge­stel­lun­gen erwar­tet, irrt gewaltig.


    War nun die deut­sche Sicher­heits­lage tat­säch­lich durch die Situa­tion in Afgha­nis­tan gefährdet?

    Allerdings.


    Ist sie es immer noch?

    Äußerst frag­lich. Die Ter­ror­gruppe Al-Quaida hat längst neue oder alt­be­währte Län­der, wie Jemen, Sudan oder Soma­lia, aufgesucht.


    Und die Taliban?

    Ist diese Bezeich­nung zu einem Sam­mel­be­griff für diverse Wider­stands­grup­pen gewor­den, die durch Stam­mes­fürs­ten mit lokal begrenz­ter Macht oder Dro­gen­ba­rone ange­führt wer­den, oder sind die Tali­ban nach wie vor eine geschlos­sene Grup­pie­rung? Jeden­falls ist erkenn­bar, dass sich der Wider­stand gegen die „Besat­zungs­macht“ in den letz­ten Mona­ten ver­än­dert hat– er ist struk­tu­rier­ter und ziel­ge­rich­te­ter gewor­den– ins­ge­samt also durch­aus mili­tä­risch. Doch logi­scher­weise ist nicht jeder Auf­stän­di­sche zugleich Tali­ban oder Ter­ro­rist, der die inter­na­tio­nale Sicher­heit gefähr­det. Man spricht sogar schon von „Tali­ban auf Zeit“.


    Doch warum sind wir nun dort, wenn es dort keine nen­nens­werte Ansamm­lung von Ter­ro­ris­ten mehr gibt? Um die Ein­hal­tung der Men­schen­rechte zu gewährleisten?

    Nun ja, diese Argu­men­ta­tion kann trau­ri­ger­weise nicht allzu ernst­ge­nom­men wer­den, da sich die inter­na­tio­nale Gemein­schaft in die­sem Zusam­men­hang gro­ßer Belie­big­keit erfreut. Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen sind in unzäh­li­gen wei­te­ren Staa­ten an der Tages­ord­nung, gegen die nicht im Auf­trag der Ver­ein­ten Natio­nen vor­ge­gan­gen wird.


    Sind wir nun also dort, um dem Staats­zer­fall ent­ge­gen­zu­wir­ken und um soge­nann­tes „nation buil­ding“ zu betreiben?

    Seit gerau­mer Zeit ist das geo­gra­phi­sche Gebilde, was umgangs­sprach­lich „Afgha­nis­tan“ genannt wird, eine stark insta­bile Region. Diese Insta­bi­li­tät kommt sowohl von innen als auch von außen.

    „Afgha­nis­tan“ mit sei­nen 26 Mil­lio­nen Ein­woh­nern ist eth­nisch und reli­giös gespal­ten. Folg­lich bil­den sie keine kul­tu­relle Ein­heit, was gemein­hin ein Grund oder viel­mehr eine Vor­aus­set­zung für eine Staa­ten­bil­dung ist.

    Neben den Pasch­tu­nen und Tad­schi­ken, die zusam­men etwa zwei Drit­tel der Bevöl­ke­rung aus­ma­chen, gibt es noch etli­che mehr oder weni­ger große Eth­nien, die vor allem sun­ni­tisch oder schii­tisch geprägt sind. Dem­zu­folge gibt es auch meh­rere Spra­chen, die neben den bei­den Haupt­spra­chen gebräuch­lich sind.

    Nach vie­len Ver­su­chen, eine zen­tra­lis­ti­sche Ord­nung zu eta­blie­ren, liegt auch heute noch die Macht bei den zahl­rei­chen Stam­mes­fürs­ten und War­lords und nicht bei der umstrit­te­nen Regie­rung Kar­zai in Kabul.


    Groß­mächte wie Groß­bri­tan­nien oder die Sowjet­union, die in der Ver­gan­gen­heit Ver­su­che unter­nah­men, dort Wur­zeln zu schla­gen, sind alle­samt an der Hete­ro­ge­ni­tät Afgha­nis­tans geschei­tert. Nach den Theo­rien des Mili­tär­theo­re­ti­kers Carl von Clau­se­witz (1780–1831) waren jene Staa­ten mit den Afgha­nen (wenn man so will) im Krieg. Laut Clau­se­witz han­delt es sich um einen „Akt der Anwen­dung phy­si­scher Gewalt“, wenn der eigene Wille einem frem­den Staat auf­ge­zwun­gen wer­den soll. Krieg ist somit ein Mit­tel zum Zweck.


    Herrscht nun Krieg, der den Zweck hat Frie­den zu schaf­fen oder die inter­na­tio­nale Sicher­heit zu gewährleisten?

    Gleich­viel. Der juris­tisch wohl vor allem für die dort sta­tio­nier­ten Sol­da­ten bedeut­same Umgang mit dem Begriff „Krieg“ ändert kei­nes­falls die kon­krete Situa­tion der Bun­des­wehr im bereits „ira­ki­sier­ten Afghanistan“.

    Hier kün­digt sich bereits die Frage nach einer ange­mes­se­nen Aus­rüs­tung und Aus­bil­dung der Sol­da­ten an.


    Ist die Bun­des­wehr in der miss­li­chen Lage einen Krieg mit gebun­de­nen Hän­den gewin­nen zu müssen?

    Wer weiß…

    Jeden­falls lei­det die Afghanistan-Diskussion ange­sichts des teil­weise pole­mi­schen und popu­lis­ti­schen Kli­mas ins­be­son­dere bezüg­lich einer Abzugs­per­spek­tive an man­geln­dem Rea­lis­mus, was von selbst­er­nann­ten Exper­ten und der poli­ti­schen Linke ego­is­tisch aus­ge­nutzt wird.

    Es wird wohl unmög­lich sein eine Demo­kra­tie west­li­chen Vor­bilds zu schaf­fen und man wird sich auch in Anbe­tracht der his­to­ri­schen Erfah­run­gen mit regio­na­len Teil­er­fol­gen begnü­gen müs­sen. Den­noch müs­sen auch geo­stra­te­gi­sche Über­le­gun­gen beach­tet wer­den, denn ein end­gül­ti­ger Ver­lust Afgha­nis­tans würde die ohne­hin fra­gile Lage in Zen­tral– und Süd­asien wei­ter desta­bi­li­sie­ren und neues Gefah­ren­po­ten­tial schaf­fen. Neben dem Ter­ro­ris­mus sei auf die Gefahr des Dro­gen­han­dels hingewiesen.


    Wie dem auch sei– es ist schade, dass ein der­art wich­ti­ges Thema nur durch aktu­elle Anlässe, ähnlich wie irgend­wel­che Staub­wol­ken oder Erd­be­ben, kurz­zei­tig von den Medien auf­ge­grif­fen wird und sich wenig spä­ter in Luft auf­löst. So bleibt eine sach­li­che Dis­kus­sion unmög­lich und es besteht die Gefahr, dahin­ge­stellt wie man zu dem Ein­satz steht, dass der not­wen­dige Respekt vor den in Afgha­nis­tan sta­tio­nier­ten Sol­da­ten ver­lo­ren geht

    Ins­ge­samt ist die Afgha­ni­stan­de­batte lange Zeit mit man­geln­der Offen­heit, auch sei­tens der Poli­tik, geführt wor­den – viel­leicht ver­schafft Herr zu Gut­ten­berg Abhilfe.

    Dieser Artikel wurde am Mittwoch, den 5. Mai 2010 um 13:34 unter der Kategorie Featured, Politik und Zeitgeschehen geposted. Du kannst den RSS 2.0 Feed abonnieren, um über Kommentare zu diesem Artikel auf dem Laufenden zu bleiben. Hinterlass' doch mal eine Antwort!
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