Man hört es aktuell überall… Medikamentenknappheit. Der Mangel an Fiebersäften, Schmerzmitteln, Antibiotika, Krebsmedikamenten oder auch Mitteln gegen Bluthochdruck und Diabetes ist groß. Doch wie konnte es dazu kommen und wie geht es weiter? Die Ursachen, genauere Infos zu unserer Lage, sowie Prognosen von Experten zur Entwicklung der Situation, finden Sie hier.

 

Erste Aufmerksamkeit erregte eine Welle an Atemwegsinfektionen bei Kindern, welche die Krankenhäuser und Kinderärzte an ihr Limit bringt. Die Krankenhäuser können nur noch Notfälle aufnehmen, doch auch die häusliche Behandlung der Kinder ist auf Grund des Mangels an zahlreichen Medikamenten stark erschwert. Aber nicht nur Kinder sind betroffen. Momentan fehlen in Deutschland ca. 406 Medikamente, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte veröffentlicht.

Da dort allerdings nur rezeptpflichtige Medikamente aufgeführt sind und die Meldung der Lieferengpässe freiwillig ist, ist davon auszugehen, dass die eigentliche Zahl weitaus größer ist. Man geht von über 1000 fehlenden Medikamenten aus, so Experten.

Ebenfalls problematisch ist, dass Ärzte*innen in Deutschland nicht standardmäßig auf eine Datenbank zugreifen können, in der steht, welche Medikamente gerade lieferbar sind, weshalb Patient*innen zwischen Apotheken und Ärzte*innen hin- und herpendeln müssen.

 

Ursachen

Deutschland weist eins der besten Gesundheitssysteme weltweit auf, doch auch die Medikamentenpreise gelten als eine der höchsten. Trotzdem, Medikamentenmangel. Ursache davon ist der heftige Preiswettbewerb unter Arzneimittelherstellern, durch den sich mit einer großen Zahl von Standardmedikamenten nur noch so wenig Geld verdienen ließ, dass viele Unternehmen aufhörten, nach Deutschland zu liefern oder überhaupt Medikamente herzustellen.

Die wenigen noch vorhandenen Hersteller waren gezwungen, so billig wie möglich zu produzieren, also in Billiglohnländern wie Indien oder China.

Durch die akute Corona Lage in beiden Ländern, sowie die radikalen Maßnahmen Chinas wurde die Herstellung verzögert und stand schlussendlich ganz still, wodurch die Lieferengpässe, die wir momentan zu spüren bekommen, hervorgerufen wurden. Zusätzlich verantwortlich für die Engpässe sei laut Experten die deutsche Vergabepraxis.

Da es für Medikamente festgelegte Beträge gibt, die die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen, müssen Patienten die Preisdifferenz selber zahlen oder auf ein medizinisch gleichwertiges, aber günstiges Mittel ausweichen. Dies verursacht ebenfalls eine hohe Abhängigkeit gegenüber den günstigen Wirkstofflieferanten. Dazu kommen, mit den Krankenkassen vereinbarte Preisnachlässe, die das Angebot an Medikamenten auf Grund der starken Konkurrenz einschränken.

 

Lösungsansätze

Eine mögliche Lösung könnte der Import der fehlenden Medikamente aus anderen Ländern darstellen, wobei auch andere wirkstoffgleiche Präparate genutzt werden könnten, wie auch der Apothekerverband fordert. Dies könne mit einer Sonderregelung ermöglicht werden, wie es schon während der Corona Pandemie der Fall war.

 

Politische Reaktion

Die Bundesregierung plant, das Vergaberecht zu ändern. Ziel sei, Lieferketten breiter anzulegen und somit die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern zu reduzieren, denn die Situation sei trotz Ausweichpräparaten unbefriedigend. Politiker wollen „schnellstens“ tätig werden, denn die Regierung sei „auch in diesem Bereich mit der Ökonomisierung zu weit gegangen.“, so Karl Lauterbach. Während der Preis die alleinige Rolle gespielt habe, leide nun die Verfügbarkeit von Arzneimitteln darunter. „Das wollen wir aufheben.“, so der Gesundheitsminister.

Fehlende Arznei solle dringend in anderen Ländern gekauft und verteilt werden. Außerdem solle ein neues Gesetz die Krankenkassen verpflichten, auch bei Herstellern einzukaufen, die mit teureren Wirkstoffen produzieren. „Es kann nicht sein, dass wir versuchen, bei den Wirkstoffen zum Teil ein paar Cent zu sparen, riskieren dann aber dafür die Versorgung der Bevölkerung.“ (Karl Lauterbach).

 

Jolina Blum

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